Restaurierungsatelier Faust

Restauratorische Arbeiten:

Im Folgenden möchte ich Ihnen einige von mir ausgeführte Arbeiten und Projekte vorstellen.

1.) Biedermeier-Kommode (Süddeutsch, um 1835-1845)
     Konstruktionsholz: Fichte
     Furnier: Wildkirsche, Ebenholz
     Die folgende Kommode wurde (laut Kundenaussage) ca. 20 Jahre zuvor schon einmal “restauriert” - leider von keinem ausgebildeten
     Restaurator. Bei der jetzt erfolgten Restaurierung mussten die fehlerhaft, bzw. wohl aus mangelhafter Sachkenntnis, fehlendem Gewissen,
     oder reiner Profitgier vom Vorgänger-”Restaurator” durchgeführten Arbeiten (umgangssprachlich auch “Pfusch” genannt) mit erheblichem
     Mehraufwand entfernt werden.
     So war die Kommode mit einem stark vergilbten und krepierten Cellulosenitratlack lackiert, an der gesamten furnierten Oberfläche waren mit
     einem 2-K-System ausgeführte Kittungen vorhanden, mit welchen Furnierfehlstellen geschlossen waren. Die Kommodenplatte
     sowie viele der konstruktiven Verbindungen (z.B. Schwalbenschwanz-Zinkungen der Schübe, Dübelungen der Füße,...) waren durch
     moderne Kreuzschlitzschrauben “gesichert”, die tief versenkt und ebenfalls mit dem 2-K-Kittsystem “versteckt” wurden.
     Im Zuge meiner Restaurierungsarbeiten habe ich die Cellulosenitrat-Lackoberfläche vollständig abgenommen, alle Kittungen mechanisch
     entfernt, alle neuzeitlichen Schrauben herausgeschraubt (ca. 80 Stück, Größen von 4x30 bis 6x100). Anschließend wurden sämtliche gelöste
     konstruktive Holzverbindungen wieder nach Befund bauzeittypisch hergestellt. Ein falsch ergänztes Schlüsselschild (Birke, schwarz lackiert)
     wurde entfernt und in Ebenholz nach Befund ebenso rekonstruiert, wie ein fehlendes Schlüsselschild. Alle Furnierfehlstellen wurden mit
     Sägefurnier (Wild-/ Kirschbaum) geschlossen, ebenso die zuvor ausgespanten Schraubenlöcher in der Platte.
     Abschließend wurde eine Schellackpolitur ausgeführt.

Kommode vor der Restaurierung

 

Detail Kittungen vor der Restaurierung

 

Detail Schlüsselschild vor der Restaurierung

 

Drei-Seiten-Ansicht vor der Restaurierung

 

Kommode nach der Restaurierung

 

Durch Furnierergänzungen ersetzte Kittungen (Nachzustand)

 

Detail Schlüsselschild nach der Restaurierung

 

Drei-Seiten-Ansicht nach der Restaurierung

 

 

2.) Regulator mit Junghans-Uhrwerk (Deutschland, um 1870-90)
     Konstruktionshölzer: Fichte, Erle
     Furnier: Nussbaum
     Die Oberfläche war vor Beginn der Restaurierungsmaßnahmen stark verschmutzt, das Konsolenunterteil und der Aufsatz des Uhrenkastens
     waren in Einzelteilen beigelegt, eine kannelierte Platte war verloren. Das Furnier war teilweise abgelöst und am Aufsatz mit größeren
     Fehlstellen, die Lackoberfläche war nur noch in Teilen erhalten.
     Bei der Restaurierung wurden die beigelegten Teile zugeordnet und verleimt, die kannelierte Applikation wurde ergänzt und retuschiert
     (Wasserbeize). Furnierfehlstellen wurden ebenfalls ergänzt, Furnierablösungen niedergeleimt (Hautleim). Die Oberfläche wurde nebelfeucht
     wässrig gereinigt, anschließend wurde die Lackoberfläche rekonstruiert.

          Uhrenkasten vor der Restaurierung

           

          Beigelegte Teile der Konsole und des Aufsatzes vor der Restaurierung

           

          Regulator nach der Restaurierung

           

 

3.) Bemalter Wäscheschrank (Hohenlohisch-Fränkisches Grenzgebiet, dat. 1845)
    Konstruktionshölzer: Kiefer (Korpus), Birke (Holznägel)
     Farbe: Öl-/Kaseinfarbe, mit stark vergilbtem Firnis (Basis natürliches, trocknendes Öl)
     Die Bemalung des Schrankes befindet sich in gutem Erhaltungszustand. Lediglich auf der Frontseite fehlte der Firnis überwiegend,
     weshalb hier die Farbigkeit nicht durch den gilbenden Firnis gestört ist. Vor der Restaurierung war das gesamte Objekt durch
     jahrzehntelanges Lagern in einer Scheune stark verschmutzt, die Füße fehlten vollständig, die Rückwand war gelöst, Profilleisten waren gelöst,
     bzw. fehlten teilweise oder vollständig. Die Fitschenbänder der Türe waren gelöst und das Schloss nicht schließbar.
     Für die Restaurierung wurde die Oberfläche trocken gereinigt (aka-pads, Ziegenhaarpinsel, Staubsauger), die Konstruktion neu verleimt und
     mit ergänzten Holznägeln zum Teil neu vernagelt, fehlende Teile (Füße, Profilleisten) ergänzt und retuschiert (Gouache-Farben), die lockeren
     Fitschenbänder neu befestigt. Abschließend wurde ein reversibler Schutzfirnis (Alkohol-Basis) über alle Teile gelegt. Im originalen
     Kastenschloss wurde ein Bruch in der Zuhaltungsfeder verlötet (Silberhartlot), der stark abgenutzte Schlüsselbart durch Auflöten einer
     Metallergänzung auf das originale Maß verlängert, so dass die Schließbarkeit gewährleistet ist. Korrosion an den Metallteilen wurde entfernt
     (Glasfaserstift) und anschließend wurden alle Metallteile mit mikrokristallinem Wachs konserviert.

          Schrank vor der Restaurierung

           

          Schrank nach der Restaurierung

           

 

 

 

 

 

 

 

 

4.) Rekonstruktion eines Friesbodens (Dielenboden)
     Verwendete Hölzer: Kiefer, Nussbaum
     Der Friesboden befindet sich in einem Haus, dessen Grundmauern wohl um 1800 errichtet wurden. Die sog. “prägende Bauphase” liegt
     allerdings deutlich später, um 1920-25. Der Friesboden wurde entsprechend alten Vorbildern verlegt (z.B. mit variierenden Dielenbreiten),
     aber erfuhr in einzelnen Details auf Kundenwunsch moderne Abwandlungen. So wurden die Friese nicht wie früher häufig üblich in massiver
     Eiche gefertigt, sondern es wurden ca. 8mm starke Bretter eines französischen Nussbaums auf 12mm starke Kiefernbretter aufgeleimt,
     um die Dicke der 20mm Kieferndielen zu erhalten. Die Oberfläche wurde mit einem mehrschichtig aufgetragenen Hartöl (auf Basis natürlicher
     Öle und Balsame) versiegelt.

Friesboden mit Nussbaumfries und Kieferndielen

Der L-förmige Grundriss des Raumes stellt besondere Herausforderungen...

...vor allem, weil der Raum keinen rechten Winkel aufweist!

Der Kontrast zwischen Nussbaum-Fries und Kiefer-Diele ist besonders reizvoll

Durch die gewählte Oberflächenversiegelung erhalten die Hölzer eine besondere Tiefe.

5.) Digitale Rekonstruktion (Schatulle, Neuwied, Werkstatt David Roentgen, um 1775)
     Im Rahmen der Sonderausstellung “Möbel Design – Roentgen, Thonet und die Moderne” im Roentgenmuseum Neuwied wurde diese digitale
     Rekonstruktion der Farbigkeit von mir angefertigt.
     Die Rückschlüsse auf die Farbigkeit der Schatulle wurden anhand von Vergleichsobjekten der Roentgenwerkstatt, die noch ihre originale
     Farbigkeit bewahrt hatten getroffen. Die genaue Farbzuordnung erfolgte aber erst nach gründlichen botanischen Bestimmungen der
     dargestellten Blumen, bzw. Pflanzen. Da dies weitgehend gelang, kann man mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die in
     der in der digitalen Rekonstruktion gezeigte Farbigkeit nahe an die originale Farbigkeit der Schatulle herankommt.
     Eine ausführliche Beschreibung der Anfertigung dieser digitalen Rekonstruktion findet sich im Ausstellungskatalog.

    

Heutiges Aussehen der Schatulle

Digitale Rekonstruktion des Mittelfeldes der Schatullen-Marketerie

 

6.) Vergoldeter Bilderrahmen (evtl. England, 1860-1890)
     Konstruktionsholz: Kiefer
     Die Vergoldung des Rahmens war vor der Restaurierung stark verschmutzt, teilweise fehlten gestuckte Ornamente und Teile der Vergoldung.
     Die fehlenden Stuckteile wurden mit einer Mischung aus Kreidegrund, Alabastergips und Cellulosefasern nachmodelliert, die fehlende
     Eckrocaille wurde mit Alabastergips nachgegossen und anschließend vergoldet. Die Reinigung erfolgte nebelfeucht mit destilliertem Wasser
     und Wattestäbchen
.

Gesamtansicht Vorzustand

Detail 1 Vorzustand

Detail 2 Vorzustand

Detail 3 Vorzustand

Gesamtansicht Nachzustand

Detail 1 Nachzustand

Detail 2 Nachzustand

Detail 2 Nachzustand

     

 

 

 

 

 

 

© 2018 Claus Rüdiger Faust, staatlich geprüfter Restaurator für Möbel und Holzobjekte, Restaurierungsatelier Faust 39279 Zeppernick
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